Update-Info

07.01.2015: Ich wünsche allen ein (verspätetes) frohes neues Jahr! :)

Bei uns hat das Jahr leider mit einer Krebsdiagnose begonnen. Nicht meine, aber dennoch werden die Kapitel in absehbarer Zeit nur sehr unregelmäßig erscheinen.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 30:


Mir fror langsam aber sicher alles ab, auch die Dinge, von denen ich nicht einmal gewusst hatte, dass sie abfrieren konnten. Doch das war nicht der Grund, warum ich mich schließlich bewegte. Nein, der Grund lag irgendwo zwischen Rubins Fingerspitzen auf meiner Wange und meiner Erschöpfung. Und das war ich, erschöpft. Nicht plötzlich, aber so richtig. Und der Drang, endlich Klarheit zu schaffen, dimmte, als die Angst in seinem Blick zu mir durchdrang. Einerseits machte mir das nur noch deutlicher, dass wir reden mussten, und das dringend; andererseits konnte ich nicht nicht auf die Angst Rücksicht nehmen, konnte mich nicht gegen den Drang wehren, sie ihm nehmen zu wollen. Wusste, dass ich das nicht vollkommen tun konnte, und hasste mich irgendwo tief drinnen für dieses Unvermögen.
Das Lächeln, das ich auf mein Gesicht zwingen wollte, wehrte sich hartnäckig und blieb schließlich im rechten Mundwinkel hängen.
„Echt scheiße kalt hier“, brachte ich irgendwie hervor und sah Erleichterung und noch etwas, das ich nicht erkannte, über sein Gesicht einbrechen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 29:

Die Busfahrt zurück verlief in Schweigen. Rubin hatte sich entschuldigt, wofür genau – ob für Lukas’ blöde Anspielungen, dafür, dass er sich eine ganze Weile mit ihm unterhalten hatte oder für Lukas’ Existenz im Allgemeinen – wusste ich nicht. Wenn er schlau war, dann war es Letzteres, aber eigentlich war es auch egal. Dass sich die beiden mit Küsschen-Küsschen verabschiedeten, war auch egal. Wirklich. Auch, dass es eher nach einem Kuss statt zwei Küsschen ausgesehen hatte. War mir doch latte.
Was mich sehr wohl interessierte war, ob Rubin Lukas von … was auch immer zwischen uns war erzählt hatte oder ob es ein Schuss ins Blaue von Lukas’ Seite aus gewesen war … oder …
Oder.
Ob man es uns ansah.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 28:

‚Können wir diese Arrangements nicht auflösen? Können wir nicht einfach kuscheln, weil es schön ist?‘
Das war jetzt nicht sein Ernst. Dieser – er wollte mit meine Ausreden nehmen! Jetzt, wo ich mich halbwegs damit abgefunden hatte, jetzt, wo ich es halbwegs akzeptieren konnte – dank der Ausreden – jetzt wollte er sie mir wegnehmen! Das konnte er doch nicht tun – das war unfair, verdammt! Und sowieso, das hörte sich ja alles ganz toll hochtrabend an, aber die Realität sah nun einmal anders aus.
Ja, genau! Die Realität, die kam mir endlich mal zu Hilfe. Ansonsten war sie ja eher gegen mich – mit der sexuellen Orientierung und der Wanderlust meiner Eltern – aber heute, endlich, stellte sie sich auf meine Seite! Besser spät als nie, Bitch!
„Aber du bekommst eine Empfehlung dafür, dass du mir Nachhilfe gibst“, gab ich zu bedenken und war recht stolz auf mich, dass meine Stimme dabei gefasst und normal wirkte. Schon interessant, auf was für Dinge ich plötzlich stolz war – vor allem, da ich sonst meine Stimme so gut wie immer im Griff hatte. Keine Ahnung, wie meine ganze erarbeitete Persona bei ihm so schnell den Bach runter gegangen war.
Rubin verzog das Gesicht zu etwas, das wohl ein Lächeln darstellen sollte, aber nie ganz eins wurde. „Vyvyan“, begann er, stockte, presste kurz die Lippen aufeinander und redete dann doch weiter, „ich habe meine Bewerbungen längst abgeschickt.“