Wie lange wir so dalagen, konnte ich in Retrospektive nicht sagen, denn
irgendwann driftete ich ab. Es war so warm und gemütlich und roch so gut und es
war ruhig – was es bei uns zu Hause nach acht Uhr nie
war – und ich hatte so wenig geschlafen und mein Kopf war endlich
still. Nachdem ich mir den ganzen Morgen über Gedanken gemacht hatte, war das
eine unglaubliche Erleichterung. Vor allem, da es Gedanken gewesen waren, die
ich mir nicht hatte machen wollen, die ich am liebsten ganz tief begraben und
nie wieder hervorkommen lassen hätte. Rubin und ich, klar.
Aber eben, mein Kopf hatte endlich eingesehen, dass die Panikmache nichts
bringen würde und dass ein bisschen den Moment genießen und Schlaf nachdösen
nicht schaden konnte. Bis, ja, bis sich die Situation änderte. Es begann
schleichend, so dass ich den Anfang verpasste. Irgendwann mussten Rubins Finger
angefangen haben, sich zu bewegen, langsam erst, in kleinen Kreisen oder kurzen
Linien vielleicht. Warum sollte ich das auch bemerken? Da hatte sich ja noch
nichts geändert – es war immer noch warm, schön, ruhig und
wohlig – und ich döste zufrieden vor mich hin. Auch, als die
Bewegungen größer und nicht mehr ganz so federleicht wurden, blendeten sie sich
perfekt in meine Welt ein. Seine Lippen, die über meine Schulter geisterten,
spürte ich zwar, aber sie gehörten einfach dazu und waren noch kein Grund, mit
dem Dösen aufzuhören. Erst, als sie langsam über meinen Hals zur Kehle
wanderten und ab und an von Zähnen abgelöst wurden, kroch mein Bewusstsein in
meinen Körper zurück.