Update-Info

07.01.2015: Ich wünsche allen ein (verspätetes) frohes neues Jahr! :)

Bei uns hat das Jahr leider mit einer Krebsdiagnose begonnen. Nicht meine, aber dennoch werden die Kapitel in absehbarer Zeit nur sehr unregelmäßig erscheinen.

Donnerstag, 13. November 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 25:


Diesmal konnte ich um einiges länger im post-orgasmischen Glücksnebel verweilen. Und auch, als ich langsam auftauchte, kam keine Panik auf. Hätte sie vielleicht sollen, wenn man bedachte, dass ich die ganze Zeit über nackt auf Rubins Schoß gesessen hatte, aber irgendwie – nah, es gab Schlimmeres. Er würde es schon nicht weitererzählen.
… Alleine die Tatsache, dass ich das dachte, war erschreckend. Und dennoch war mir das in diesem Moment egal; vielleicht würde ich meine Meinung ändern, wenn mein Kopf nicht mehr von Zitronengras und Grübchen vernebelt wurde, vielleicht aber auch nicht. Irgendwann wurde mir aber zumindest klar, dass ich nackt auf Rubins Schoß saß und immer noch die Arme um ihn geschlungen hatte.
Und, dass er noch nicht gekommen war. Ups.

Mittwoch, 5. November 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 24:

Wie lange wir so dalagen, konnte ich in Retrospektive nicht sagen, denn irgendwann driftete ich ab. Es war so warm und gemütlich und roch so gut und es war ruhig – was es bei uns zu Hause nach acht Uhr nie war – und ich hatte so wenig geschlafen und mein Kopf war endlich still. Nachdem ich mir den ganzen Morgen über Gedanken gemacht hatte, war das eine unglaubliche Erleichterung. Vor allem, da es Gedanken gewesen waren, die ich mir nicht hatte machen wollen, die ich am liebsten ganz tief begraben und nie wieder hervorkommen lassen hätte. Rubin und ich, klar.
Aber eben, mein Kopf hatte endlich eingesehen, dass die Panikmache nichts bringen würde und dass ein bisschen den Moment genießen und Schlaf nachdösen nicht schaden konnte. Bis, ja, bis sich die Situation änderte. Es begann schleichend, so dass ich den Anfang verpasste. Irgendwann mussten Rubins Finger angefangen haben, sich zu bewegen, langsam erst, in kleinen Kreisen oder kurzen Linien vielleicht. Warum sollte ich das auch bemerken? Da hatte sich ja noch nichts geändert – es war immer noch warm, schön, ruhig und wohlig – und ich döste zufrieden vor mich hin. Auch, als die Bewegungen größer und nicht mehr ganz so federleicht wurden, blendeten sie sich perfekt in meine Welt ein. Seine Lippen, die über meine Schulter geisterten, spürte ich zwar, aber sie gehörten einfach dazu und waren noch kein Grund, mit dem Dösen aufzuhören. Erst, als sie langsam über meinen Hals zur Kehle wanderten und ab und an von Zähnen abgelöst wurden, kroch mein Bewusstsein in meinen Körper zurück.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 23:


Es war acht Uhr fünfzehn am neunundzwanzigsten Dezember und ich saß im Bus, ohne wirklich zu wissen, warum. Meine einzige, unzureichende Begründung war: Rubin hatte gesagt, früher sei besser. Das entsprach zwar der Wahrheit, aber wenn man bedachte, dass er garantiert noch im Bett lag und bei meinem Glück die Klingel nicht hören und ich deshalb elendig draußen erfrieren würde, verpuffte die Ausrede in tausend zerbrochene Schneeflocken. Ich würde mir sonst was abfrieren, das wusste ich jetzt schon – ganz abgesehen davon, dass ich auch keinen Plan hatte, was ich ihm als Begründung für das frühe Auftauchen geben wollte; aber mittlerweile war das egal, denn umkehren und wieder nach Hause konnte ich nicht – es würde seitens Mum nur zu unangenehmen Fragen führen – und woanders hin auch nicht. Also was blieb? In den sauren Eiszapfen beißen und ihn wenn nötig wachklingeln, mit Handy und Türklingel im Kombipack. Wenn nötig sogar ganz fernsehreif mit Kieselsteinchen gegens Fenster. Oder Backsteinen.
Blöder Morgenmuffel.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 22:


Den Rest des Nachmittags lang waren wir nicht mehr alleine und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das Rubin ganz recht war. Nur wie es mit mir selbst aussah wusste ich nicht. Einerseits hätte ich ihm gerne zu verstehen gegeben, dass er wegen meinem dummen Verplapperer nicht mit dem Küssen aufhören musste; andererseits war mir nicht nur klar, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich es ihm denn ‚zu verstehen geben‘ wollte, denn ‚geradeheraus sagen‘ kam nicht in Frage, nein, noch dazu fand ein Teil von mir auch, dass das grundsätzlich eine schlechte Idee war. Ihn dazu zu bringen, das Küssen sein zu lassen, war nicht geplant gewesen – aber ihn zu küssen ebenso wenig. Mit ein bisschen kreativem Verdrängen wäre es sicher möglich, wenigstens diese Erfahrung irgendwo nach ganz weit unten zu verstauen.
Aber er hatte so verletzt ausgesehen. Da ich mich gestern nicht umgedreht hatte, wusste ich nicht, wie es im Verhältnis zum Nebensächlich-Debakel stand, aber auch alleine war es unschön. Dass ich das Gefühl hatte, dass er sich den Rest des Nachmittags zurückzog, machte es nicht besser. Das fing schon auf Betsy an, wo er sich an den Rand neben Megan legte – klar, da sie beide vorlesen sollten war es praktischer, wenn sie nebeneinander lagen, aber trotzdem, irgendwie … war er so weit weg. Und eine Stimme in mir flüsterte, dass er das nicht nur deshalb war, weil zwei Personen zwischen uns lagen. 
Nachdem wir eine Weile alle zusammen so Peter Pan gelesen hatten, wurde Kitty unruhig.
„Wann essen wir denn?“, fragte sie und sah mich erwartungsvoll an.
„Na, erst müssen wir kochen.“
„Zitronenrisotto, ja?“
Ich nickte 
„Können wir es jetzt machen? Ich hab Hunger.“
Ich schmunzelte und warf Rubin einen Blick zu. „Da musst du schon den Hausherren fragen.“

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 21:


Als wir ins Wohnzimmer kamen, begrüßte uns Megans gleichmäßige Stimme.
„There was another light in the room now, a thousand times brighter than the night-lights, and in the time we have taken to say this, it had been in all the drawers in the nursery, looking for Peter's shadow, rummaged the wardrobe and turned every pocket inside out …“
Uäch. Ami-Englisch, ganz viel davon.
Als ich hochsah, erblickte ich Kitty mit Megan auf Betsy, beide bäuchlings auf der Fleecedecke liegend. Megan hielt inne und sah zu uns.
„Hey Jungs!“ Sie lächelte uns freundlich an und sah von mir zu Rubin. Bei ihm wurde ihr Blick fragend. „Na, habt ihr’s überstanden?“ Nach einer Sekunde – noch vor Rubins Antwort – wurde ihr Lächeln um einiges breiter.
Äh …
Nein. Darüber wollte ich nicht nachdenken. Sollte ich auch nicht, denn ich wusste auch so, was für paranoide Schlüsse ich daraus ziehen und wie ich auf diese Schlüsse reagieren würde.
Megan wusste von nichts. Garantiert nicht. Bitte nicht.
„Vyvyan macht große Fortschritte.“
„Das freut mich zu hören.“
„Meinst du, Vyvy besteht den Test?“, fragte Kitty Rubin mit großen, hoffnungsvollen Augen.
Und er warf doch echt Megan einen Blick zu, bevor er Kitty anlächelte und, freundlich wie eh und je, antwortete: „Ich bin guter Dinge, ja.“

Mittwoch, 7. Mai 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 20:


„Das ist Rubins Haus?“
Ich nickte.
„Wow, es ist hübsch!“
Schulternzucken. Als sie mich erwartend ansah, fragte ich wenig enthusiastisch: „Findest du?“
„Voll!“
Kitty hatte schon den ganzen Morgen über gute Laune, im Gegensatz zu mir. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Mein … Gehen gestern war ja nun nicht die feine Englische gewesen, und ich war mir nicht sicher, wie Rubin es aufgenommen hatte – und wie er einen halben Tag später darüber dachte. Verdammt, ich war mir noch nicht einmal sicher, ob er die Tür öffnen würde – fast hätte ich gestern Abend per SMS nachgefragt, aber dann hatte ich mich nicht dazu überwinden können. Ich wollte es nicht wissen. Und, wenn ich ehrlich war, dann lag das nicht nur daran, dass Miss Kitty sehr, sehr enttäuscht wäre, wenn sie Betsy doch nicht kennenlernen dürfte. Sehr enttäuscht und wahrscheinlich auch trotzig-wütend. Keine gute Kombination – aber eben, das war nur ein Teil des Grundes. Ich versuchte mir zu sagen, dass mir Rubins Reaktion egal sein konnte, dass es mich nicht tangierte, wie er sich nach gestern verhalten würde, doch das funktionierte nicht. Ich hatte mich wie ein Arschloch verhalten, das war die traurige Wahrheit. Und das, nachdem ich angefangen hatte, mit – mit – ich hatte die Kontrolle verloren und danach … das tat man nicht. Rubin mochte ein Außenseiter sein, aber das war dennoch kein akzeptables Verhalten. Vielleicht sollte ich anfangen, von ihm als normalen Mitschüler zu denken und ihn auch so zu behandeln. Einem anderen Mitschüler hätte ich nie und nimmer so etwas gesagt – gut, einem anderen wäre ich auch nicht an die Wäsche, aber daran konnte ich auch nichts mehr ändern. Verdrängen und ignorieren hörte sich in meinem Kopf nach einer verdammt guten Taktik an, aber irgendetwas sagte mir, dass das nicht funktionieren würde, wenn Rubin immer noch … gut aussah, eben. In meinen Augen. Ich hoffte ja, dass er einfach wieder zu ‚blond, dunkle Augen, blasse Haut, Außenseiter‘ wurde, aber … ja. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und in meinem Fall war zuletzt sobald ich ihm gegenüberstehen würde, also in etwa einer Minute.
Fantastisch.

Donnerstag, 24. April 2014

Von Edelsteinen und Papierengländern 19:


Ich rutschte näher. Berühren tat ich ihn noch nicht, aber viel fehlte nicht mehr. Das … das war nicht mein Ding. Ehrlich nicht. Kuscheln. Mit Männern. Nein.
Also, klar, theoretisch wahrscheinlich schon, wenn man in Betracht zog, dass ich homosexuell war. Aber … aber das war nicht geplant gewesen! Irgendwann, wenn ich es nicht mehr anders aushielt, Sex, okay – wenn es nicht anders ging. Gehörte wohl einfach zum Schwulsein dazu. Aber mehr nicht. Kein Kuscheln, keine Gefühle, am liebsten auch keine Küsse. Nur Triebbefriedigung – für den Trieb konnte ich ja nichts, da war bereits vor meiner Geburt was schief gelaufen. So wie das Intermezzo an meiner Zimmertür: Das war reine Triebbefriedigung gewesen. Viel zu früh – ich hatte von mir selbst mehr Selbstkontrolle erwartet – aber wenigstens ohne Ballast. Angekuschelt werden, so wie gestern – das konnte man auch noch durchgehen lassen. Ich hatte ja nichts getan, nur dagelegen. Selber kuscheln aber, das war ein ganz anderes Kaliber. Das implizierte, dass ich es wollte. Was ich nicht tat.
Dann kannst du ja gehen, erklang Rubins Stimme in meinem Kopf, niemand hält dich auf.
Warum hatte er das auch sagen müssen? Dass ich nichts ‚musste‘? Dass er auf keinerlei Gegenleistung bestand? Das war doch beschissen! Wer wollte so was schon hören? War ihm denn nicht klar, dass es einfacher für mich war, wenn ich mir sagen konnte, dass ich keine andere Wahl hatte?
Bastard, wirklich.