„Ich war überrascht dich hier zu sehen; ich dachte, du würdest direkt nach
Hause gehen um Deutsch zu lernen. Wie bin ich nur auf diese Idee gekommen?“
Zwei Meter vor mir gingen Megan und Kitty Hand in Hand, etwa ein Meter
neben mir ging Rubin – wir natürlich nicht Hand in Hand. Wir
waren schon fast beim Rand des Parks angekommen, als er das sagte; ich hatte
die Stille vorgezogen.
Ich warf ihm einen ärgerlichen Blick zu, da ich ganz genau wusste, auf was
er anspielte: Fee. Und darauf, dass ich sie mit der Ausrede abgewimmelt hatte,
dass ich lernen müsste. Musste ich ja auch und die Schneeballschlacht war nicht
geplant gewesen, aber ich würde mich nicht rechtfertigen, nicht vor ihm.
„Ich war selbst überrascht, als ich mit Kitty am Sankt Katharina vorbeiging
und sah, dass deine Freundin immer noch in der Kälte wartete, obwohl du
mindestens eine viertel Stunde vor mir gegangen warst.“
Wir hatten beide geradeaus gesehen, doch nun wandte er den Kopf, sah mich
an und verlangsamte sogar seine Schritte, was ich ihm aber nicht nachtat. Warum
sollte ich?
„Und du hast gewusst, dass Megan auf mich wartet, weil …?“
„Ich habe euch letzte Woche zusammen gesehen, als ich Miss Kitty abgeholt
habe.“
Ich spürte seinen Blick auf mir, als er wieder aufholte, dachte aber nicht
daran, ihn anzusehen, sondern hielt meine Augen fest auf Kitty gerichtet. Sie
und Megan traten gerade aus dem Park hinaus auf den Gehsteig und Megan zeigte
auf die gegenüberliegende Straßenseite, wo sich ein – zumindest von
außen – altmodisches Café befand, über dessen Tür mit geschwungenen
Lettern Orchid Garden stand. Wenigstens war es wirklich gleich um die
Ecke.
„‚Miss Kitty‘, hm?“, fragte Rubin, „Sie ist süß, deine Schwester.“
Diesmal war ich es, der fast stehen blieb.
Ich mochte ihn nicht – wie ich vielleicht bereits erwähnt
habe – und ich mochte es generell nicht, wenn meine Freunde oder
Bekannten allzu freundlich zu Kitty waren. Und Rubin war für seine
Verhältnisse unverhältnismäßig freundlich – man könnte fast schon
sagen, lieb – zu Kitty gewesen.
Er betrachtete meine Reaktion und ich erkannte an seinem Blick, dass mir
der Satz Hände weg! auf der Stirn geschrieben stand.
„Keine Angst, ich steh nicht auf Kinder, Vyvyan.“
„Das will ich hoffen. Du lässt sie trotzdem in Ruhe.“
Er grinste, ganz leicht nur, aber ich fand, dass er das diese Tage viel zu
oft tat, vor allem heute hatte er es zu oft getan. Wenigstens war er danach
ruhig.