Den Rest des Nachmittags lang waren wir nicht mehr alleine und irgendwie
hatte ich das Gefühl, dass das Rubin ganz recht war. Nur wie es mit mir selbst
aussah wusste ich nicht. Einerseits hätte ich ihm gerne zu verstehen gegeben,
dass er wegen meinem dummen Verplapperer nicht mit dem Küssen aufhören musste;
andererseits war mir nicht nur klar, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich es
ihm denn ‚zu verstehen geben‘ wollte, denn ‚geradeheraus sagen‘ kam nicht in
Frage, nein, noch dazu fand ein Teil von mir auch, dass das grundsätzlich eine
schlechte Idee war. Ihn dazu zu bringen, das Küssen sein zu lassen, war nicht
geplant gewesen – aber ihn zu küssen ebenso wenig. Mit ein bisschen
kreativem Verdrängen wäre es sicher möglich, wenigstens diese Erfahrung
irgendwo nach ganz weit unten zu verstauen.
Aber er hatte so verletzt ausgesehen. Da ich mich gestern nicht umgedreht
hatte, wusste ich nicht, wie es im Verhältnis zum Nebensächlich-Debakel stand,
aber auch alleine war es unschön. Dass ich das Gefühl hatte, dass er sich den
Rest des Nachmittags zurückzog, machte es nicht besser. Das fing schon auf
Betsy an, wo er sich an den Rand neben Megan legte – klar, da sie
beide vorlesen sollten war es praktischer, wenn sie nebeneinander lagen, aber
trotzdem, irgendwie … war er so weit weg. Und eine Stimme in mir
flüsterte, dass er das nicht nur deshalb war, weil zwei Personen zwischen uns
lagen.
Nachdem wir eine Weile alle zusammen so Peter Pan gelesen
hatten, wurde Kitty unruhig.
„Wann essen wir denn?“, fragte sie und sah mich erwartungsvoll an.
„Na, erst müssen wir kochen.“
„Zitronenrisotto, ja?“
Ich nickte
„Können wir es jetzt machen? Ich hab Hunger.“
Ich schmunzelte und warf Rubin einen Blick zu. „Da musst du schon den
Hausherren fragen.“