„Sollten wir nicht langsam aufstehen?“
„Nein.“
„Wie spät ist es?“
„Interessiert mich nicht.“
Ich seufzte. Ich hatte keine Ahnung, wie lange wir nun schon hier lagen,
aber es war sicher später, als ich in diesem Jahr je aufgestanden war. Und
langsam wurde ich unruhig. Ich war einfach nicht der Typ, der gerne unnötig
lange im Bett herumlag. Rubin offensichtlich schon, denn der kuschelte immer
noch. Mittlerweile wieder inklusive Daumenstreicheln, also war er wach. Wieso
ließ ich das eigentlich mit mir machen?
Mein Verstand brabbelte etwas von einer ‚Rubins Drohung von versauter
Laune‘, und auch wenn sich das nach einer äußerst fadenscheinigen
Ausre…Erklärung anfühlte, beließ ich es dabei. Eine bessere hatte ich nämlich
nicht – was wirklich fantastisch war. Wirklich, genial. Aber absolut.
Ich hatte schon seit Ewigkeiten davon geträumt, so einmal meinen Tag zu
beginnen: mit schlechten Begründungen an meinen amerikanischen Nachhilfelehrer
gekuschelt. Yippie.
„Lässt du mich dann wenigstens los, damit ich auf die Uhr schauen kann?“
Und ja, er hielt mich wirklich fest, umschlungen, irgendwie. Das an sich war
nicht so schlimm, eigentlich, irgendwie – ach, keine Ahnung, ich
wollte einfach aufstehen!
„Wir haben Weihnachtsferien, du hättest heute sowieso herkommen
müssen – also ist es doch egal, wie spät es ist“, sagte er, seufzte
dann und rollte sich plötzlich über mich.
Äh – was wird das, wenn’s fertig ist?
Er streckte die Hand aus, kramte einen Moment in der Nachttischschublade
und hielt mir dann plötzlich eine Armbanduhr vor die Nase.
„Zufrieden?“
Zwölf Uhr siebzehn.
Zwölf Uhr siebzehn?!
„Es ist bereits Mittag!“
Rubin sah selbst auf die Uhr und zuckte dann mit den Schultern.
„Und?“
„Und? Wir müssen endlich aufstehen, verdammt! Wir haben so schon den
halben Tag verschlafen.“
„Wir sind ja auch spät zu Bett gegangen.“
Ich sah ihn unbeeindruckt an und er seufzte und ließ den Kopf auf meine
Schulter fallen.
„Du hast keine Kuschelausdauer.“
„Hab ich auch nie behauptet.“
Er schnaubte unwillig.
„Was denn“, fragte ich, „wirfst du mich jetzt deswegen raus?“
„Nein“, erwiderte er nonchalant, „Ich hab mich nur gefragt, wo ich die
Handschellen hingetan habe.“ Dann richtete er sich auf und stieg kurzerhand aus
dem Bett. „Das macht dann abgerundet neun Stunden kuscheln – also
bekomme ich noch einmal neun.“