„Hier, das frische Bettzeug“, sagte Mum und warf einen Haufen
Baumwollbettwäsche vor meine Füße, „Schlaft gut, ihr beiden.“ Sie gab mir noch
einen Gute-Nacht-Kuss und watschelte dann in Richtung Elternschlafzimmer davon.
Ich seufzte. Was sollte ich auch sonst groß machen? Blieb mir ja nix andres
übrig.
Ich sah kurz zu Rubin, der auch etwas unschlüssig wirkte, und griff dann
nach der Daunendecke.
„Na dann, an die Arbeit, würde ich sagen. Je schneller wir das gemacht
haben, desto schneller können wir ins Bad.“
Ich übernahm das Aufpumpen, er Decke und Kopfkissen und beim Bettlaken half
ich ihm. So waren wir in kürzester Zeit fertig und ich verkrümelte mich ins
Badezimmer, um mir lange und ausgiebig die Zähne zu putzen. Zu leugnen, dass
ich nicht ein klitzekleines bisschen nervös war, hätte nicht viel gebracht,
denn ich war der einzige im Bad und ich glaubte mir definitiv nicht.
Scheiße.
Wirklich: Scheiße!
Nach guten fünf Minuten, in denen ich mein Zahnfleisch ruppiger als nötig
behandelt hatte, wusch ich mir schließlich den Mund aus. Ich wusste ja aus
Erfahrung, dass es nichts brachte, wenn man vor seinem eigenen Zimmer oder dem,
was darin auf einen wartete, davonlief. Außerdem würde eh nichts passieren. Wir
waren müde, das war nicht gelogen gewesen. Und sowieso, das gestern war
… vielleicht kein Ausrutscher, denn das hörte sich sogar in meinen Ohren nur
wie eine verdammt billige Ausrede an, aber ein Moment geistiger Umnachtung
gewesen. Ein langer Moment, zugegeben, aber Momente wurden zum Glück nicht in
Sekunden gemessen.